Unfall Gefahrstoffe

Datum: 15. Januar 2018 
Alarmzeit: 22:56 Uhr 
Dauer: 3 Stunden 4 Minuten 
Art: Technische Hilfeleistung 
Einsatzort: PW_Vennebeck 
Einsatzleiter: Detlef Bake 
Fahrzeuge: CBRN-ErkW, TLF 4000 


Einsatzbericht:

Porta Westfalica Vennebeck. Die Freiwillige Feuerwehr Porta Westfalica wurde am Montag, 15.01.2018, gegen 22:56 Uhr in den Ortsteil Vennebeck alarmiert. In einer Lagerhalle einer Spedition waren bei Verladearbeiten Kanister mit Formaldehydlösung beschädigt worden. Durch die ätzende Flüssigkeit wurden 4 Personen verletzt, 5 weitere Personen wurden als Betroffene ebenfalls versorgt. Die Feuerwehr musste das Gefahrgut unter Vollschutz bergen.

 

Der Einsatzort befand sich in einer Lagerhalle einer Spedition im Ortsteil Vennebeck. Bei Be- und Entladearbeiten beschädigte wahrscheinlich ein Gabelstapler eine Palette mit Gefahrgut. Auf der Palette befanden sich 10 Kanister mit jeweils 30 Litern einer farblosen Flüssigkeit. Nach Austritt der Flüssigkeit klagten mehrere Personen über Atemwegsbeschwerden, Schwindel und Hustenreiz. Bei Eintreffen der Feuerwehr befanden sich alle Personen außerhalb der Halle.

Alle betroffenen Personen wurden in einem Sozialtrakt rettungsdienstlich und notärztlich versorgt. Dazu waren die Besatzungen von 4 Rettungswagen und 2 Notärzte vor Ort. 4 Personen wurden als verletzt eingestuft, da sie mit dem Gefahrgut in Kontakt gekommen waren. 5 weitere Personen wurden als Betroffene eingestuft, da sie keine unmittelbaren Symptome zeigten. Alle Personen wurden zur weiteren Behandlung oder Beobachtung in die umliegenden Krankenhäuser Minden, Lübbecke und Bad Oeynhausen transportiert.

Die Feuerwehr sicherte die Halle und baute vorsorglich einen Löschangriff auf. Die Halle war zu diesem Zeitpunkt bereits belüftet, alle Tore waren geöffnet. Vor der Halle wurde ein Dekontaminationsplatz aufgebaut, ein Trupp rüstete sich zur Erkundung der Lage mit umluftunabhängigen Atemschutz und Chemikalienschutzanzügen aus. Der Trupp ging in die Halle vor und konnte die Unfallstelle schnell ausfindig machen, an der Palette befanden sich noch die Transportpapiere. Der ausgetretene Gefahrstoff hat die UN-Nummer 2209, es handelt sich um Formaldehydlösung mit mindestens 25 % Formaldehyd.

Der Stoff wirkt ätzend und kann Haut, Augen und Atemwege schädigen. Bei Austritt des Stoffes entwickelt er ätzende und reizende Dämpfe, welche unsichtbar sein können. Formaldehydlösung kann Metalle angreifen und dabei Wasserstoffgas entwickeln, welches mit Luft ein explosionsfähiges Gemisch bildet. Durch den Unfall waren 2 Kanister beschädigt worden, etwa 15 – 20 Liter waren ausgetreten. Metalle befanden sich nicht im Bereich des Gefahrguts.

Die Informationen zum Gefahrstoff wurden an den Rettungsdienst weitergegeben um die weitere Behandlung danach auszurichten. Die Feuerwehr bereitete die Bergung des Gefahrguts vor. Weitere Trupps rüsteten sich mit umluftunabhängigen Atemschutz und Chemikalienschutzanzügen (Vollschutz) aus. Die beiden beschädigten Kanister wurden durch einen Trupp unter Vollschutz geborgen und in ein geeignetes Gefäß umgeladen. Die ausgelaufene Flüssigkeit wurde mit Bindemittel abgestreut und aufgenommen. Die Spedition lässt die Entsorgung durch eine Fachfirma durchführen. Mit der Meßtechnik des CBRN-Erkunders wurden vor Ort Wisch- und Umluftproben genommen. Die Bergung des Gefahrguts wurde gegen 01:15 Uhr abgeschlossen.

Nach Abschluß der Arbeiten wurden die Trupps unter Vollschutz am Dekontaminationsplatz gereinigt und konnten danach die Ausrüstung ablegen. Alle eingesetzten Mittel wurden zurückgenommen, der Einsatz wurde gegen 01:40 Uhr beendet.

Einsatzleiter: Detlef Bake; Eingesetzte Kräfte: Hauptamtliche Feuer- und Rettungswache, Ehrenamtliche Löschgruppen Holzhausen, Holtrup-Vennebeck-Costedt, Fachgruppe ABC Messen mit CBRN-Erkunder, Tanklöschfahrzeug 4000 (Veltheim-Möllbergen), Gerätewagen Atemschutz (Neesen-Lerbeck), Einsatzdokumentation, Einsatzführungsdienst. 4 Rettungswagen, 2 Notärzte.